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Stadtplanung ist Bürgersache! Oder?

Wäre es nach der Stuttgarter Stadtverwaltung gegangen, wäre bereits 1991 mit dem Neubau Landschreiberstraße 19 ein (höchst negativer) Maßstab für die zukünftige Entwicklung der Landstadtsiedlung gesetzt worden. Ein Bauträger wollte dort, von der Stadt Wahlflyer-Fritz-Kuhnakzeptiert, ein 8-Familien-Haus mit Tiefgarage errichten. Dank des geschlossenen Widerstands der Landstädter konnte dies verhindert werden. Der Gemeinderat wurde aktiv. Mehr noch, man verabschiedete eine Erhaltungssatzung und einen Aufstellungsbeschluss für einen einheitlichen Bebauungsplan. Durch klare Vorschriften sollte das bestehende Ortsbild der Landstadtsiedlung erhalten werden (Gemeinderatsdrucksache Nr. 249/1991). Unter anderem gab der Gemeinderat dem Stadtplanungsamt auch Folgendes mit auf den Weg: „Die Gartenanlagen kann man vielfach auch heute noch als ländlich geprägte Mustergärten bezeichnen, in denen Obstbäume vorherrschen. Die straßenseitige Einfriedung besteht noch weitgehend aus Holzzäunen der Vorkriegszeit oder wurden in der gleichen Form erneuert. Hainbuchenhecken, die in den 30iger Jahren auch in der Kirchheimer Straße das Ortsbild Sillenbuchs prägten, schützen vor unerwünschten Einblicken.“  (Hier können Sie sich die Anlage1 zur Gemeinderatsdrucksache Nr. 249/1991 herunterladen (0,6 MB))

Aber dann geschah viele Jahre NICHTS. Bis 2006 ein Neubau in der Kernenblickstraße erneut die Gemüter erhitzte. Baubürgermeister Hahn sah sich veranlasst, begleitet von Bezirksbeirat und (wegen des ungünstigen Termins)sehr wenigen Anwohnern, einmal quer durch die Siedlung zu wandern und Anregungen einzusammeln. Am 13.02.2012 war dann die Präsentation dessen, was nach 21-jährigem „Anlauf“ heraus gekommen war. Die neutralen Stuttgarter Nachrichten beschreiben den Abend so: „Wir nehmen die Anregung auf.“ diesen Satz muss Susanne F. (Anm.: Mitarbeiterin des Stadtplanungsamts) an diesem Abend noch sehr oft sagen. Die Gemüter der Anwesenden wollen sich nicht beruhigen. Zwei Stunden lang bringen sie ein Thema, das ihnen Magenschmerzen bereitet, nach dem anderen auf den Tisch“. In der Tat, für die Landstädter ist der Abend Kuhn-Feinstaubeine große Enttäuschung. Wo sind die guten Vorsätze, mit denen man 1991 in das Projekt startete? Wie ist der Sinneswandel des Stadtplanungsamts in wichtigen Fragen zu erklären? Antworten gab es keine, statt dessen wurden die Bürger auf die Zeit nach einem Gemeinderatsbeschluss vertröstet. Sieht so Bürgerbeteiligung aus? Oder die von OB Kuhn versprochene Transparenz? In öffentlichen Auftritten bekunden unsere Stadtoberen wortgewaltig, unübertroffene Kämpfer für mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz und gegen Lärm, Feinstaub und Umweltgifte zu sein. Wenn es aber konkret wird, will man den Bürgern unter anderem – obwohl es die Stadt keinen Cent kosten würde - verbieten, ihre Hecken höher als 1,35 m wachsen zu lassen. Dabei sind Hecken nach vielen wissenschaftlichen Untersuchungen ein ganz hervorragendes Mittel gegen vorgenannte Umweltlasten. "Links blinken, rechts abbiegen", charakterisierte ein ehemaliger Stuttgarter SPD-Bundestagsabgeordneter einmal solche politischen Verhaltensweisen.

 

Letztes Update:
22-12-2018