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Sperrung der Buowaldstrasse

Stellungnahme zu den Argumenten  der Beschlussvorlage, die auf Antrag der SPD Fraktion  im Gemeinderat der Stadt Stuttgart erstellt wurde und  die letzlich zu dem Abstimmungsergebnis im Ausschuss für Umwelt und Technik und damit zur Sperrung der Buowaldstrasse geführt haben.

Die Sperrung der Buowaldstrasse ist eine unnötige und unvernünftige Maßnahme. Die Ablehnung unter den betroffenen Bürgern ist groß. In kürzerster Zeit haben sich spontan über 400 Bewohner von Alt Sillenbuch in eine Liste zur Offenhaltung der Buowaldstrasse, gemäß der jetzigen Regelung, eingetragen. Von diesem Votum der Bürger wollte man aber bei den Befürwortern der Sperrung nichts wissen. Der Beschluss, die Strasse zu sperren, stellt deshalb eine grobe Missachtung des Bürgerwillens dar (siehe auch Presseerklärung der freien Wähler).

Alle aufgeführten Argumente die eine Sperrung rechtfertigen sollen, treffen nicht oder nur in ganz geringem Maß zu.

So muss gesagt werden:

Amphibien, wie Kröten und Feuersalamander, sind nachtaktive Tiere, die hauptsächlich in der Zeit zwischen abends 20 Uhr und morgens 5 Uhr unterwegs sind, und dies auch nur im Frühjahr während weniger Wochen. Es kann also mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden, dass innerhalb der derzeit erlaubten Fahrzeiten es zu einer wesentlichen Gefährdung dieser Tiere kommt.

Das Argument, die forstwirtschaftliche Bewirtschaftung werde durch die Sperrung der Buowaldstrasse erleichtert, ist leicht zu widerlegen. Forstarbeiten finden fast immer im Wald, auf den Nebenwegen statt, also dort wo keine Autos fahren. An relativ wenigen Tagen im Jahr wird durch die Forstwirtschaft direkt auf der Buowaldstrasse gearbeitet. Dies geschieht fast immer in den Zeiten zwischen 9°° und 16°°, also in den Sperrzeiten. Und an den wenigen Tagen wo größere notwendige Arbeiten auf der Buowaldstrasse ausgeführt werden müssen, wird die Strasse von den Forstleuten gesperrt.  Von einer Behinderung kann deshalb hier nicht die Rede sein. Von Forstleuten ist im Gespräch auch zu hören gewesen, dass der Verkehr sie bei ihrer Arbeit nicht störe.

Durch einen Rückbau der Buowaldstrasse –  wie vorgeschlagen –  eine  ökologische Aufwertung  zu erzielen, ist kaum vorstellbar. So wie sich die Buowaldstrasse heute präsentiert, genügt sie voll und ganz auch den strengsten ökologischen Vorstellungen. Sie ist eine relativ schmale geteerte Strasse, die an sämtlichen Begrenzungen von Waldbäumen eingerahmt wird. Hier etwas zu ändern wäre unsinnig, aufwendig, teuer und würde keinen ökologischen Vorteil bringen.

Die Buowaldstrasse wird hauptsächlich von den Bewohnern von Alt-Sillenbuch benutzt. Eine Sperrung bedeutet, dass diese Bewohner den viel längeren Weg über die Kirchheimer Strasse hin zur Ruhbank nehmen müssen, um dort in die Filderquerstrasse einbiegen zu können. Um bis zur Kirchheimer Strasse zu gelangen, und dies wissen die Anlieger ganz genau, führt der Weg über die Fridingerstrasse, die Werre, durch die Kernenblickstrasse und zum Schluß über ein kleines Stück Trossinger Strasse. Bei der Einfahrt aus der Trossinger Strasse in die Kirchheimer Strasse stauen sich heute schon im morgendlichen Berufsverkehr die Autos in die Trossinger Strasse und Kernenblickstrasse zurück. Durch einen auftretenden Mehrverkehr wird hier die Situation noch verschärft. Fahrzeuge, die mit laufendem Motor im Stau stehen, erzeugen besonders viele Emissionen und dies an einer Stelle, wo viele Fußgänger den Überweg benutzen und an der Haltestelle auf die Straßenbahn warten.Auch entsteht ein weiteres Gefahrenpotential, weil hier ein Radweg die Einmündung  Trossinger Strasse kreuzt und der von rechts kommende Radfahrer Vorfahrt hat, die Autofahrer aber in erster Linie nach links schauen müssen, um sich in den dichten Verkehr auf der Kirchheimer Strasse (ca. 600 – 800  Fahrzeuge pro Stunde in eine Richtung) einreihen zu können. Ein Unfall, den der in Sillenbuch außerordentlich beliebte Kinderarzt Dr. Hook an dieser Stelle unlängst hatte, belegt dies sehr eindrücklich (siehe Stuttgarter Zeitung 16. Nov. 2012, Blick vom Fernsehturm).

An der Ruhbank angekommen, staut sich der Verkehr an der Ampel. Eine lange Autoschlange steht hier Morgen für Morgen im Stau und bewegt sich im Schritttempo fort.

Am Abend, wenn die Leute wieder nach Hause fahren, müssen sie den Weg über die Ruhbank in die Kirchheimer Strasse nehmen, wenn sie in ihre Quartiere gelangen wollen. Bei der Abzweigung in die Kirchheimer Strasse, bei der Ampel an der Ruhbank, kommt es zu langen Staus. Anschließend geht es im Schritttempo nach Sillenbuch. Eine ziemliche Zumutung, wenn man bedenkt, dass bei der jetzigen Regelung, nach einem Abbiegen an der Stelle und einer kurzen Fahrt durch die Buowaldstrasse, die Leute in kürzerster Zeit zu Hause wären.

Für die Alt-Sillenbucher ergibt sich durch die Sperrung der Buowaldstrasse eine unsinnige Verkehrsführung, erst den Berg hinauf und dann wieder hinunter, verbunden mit einer längeren Wegstrecke und Staus, während bei der jetzigen Regelung nur eine kurze Strecke bis zur Stelle durch die Buowaldstrasse zurückgelegt werden müsste. Am Abend dasselbe in umgekehrtrer Richtung. Höherer Spritverbrauch und vermehrte Emissionen sollen hier die Stichworte sein. Eine Nachrechnung des erhöhten Co2 Ausstoßes, als Folge der Sperrung der Buowaldstrasse hat ergeben, dass es sich hierbei  um 10000 kg CO2 jährlich handeln wird. (Beispielrechnung)

Was das Argument Radelthon anbetrifft, so ist zu sagen, dass rechts und links der Buowaldstrasse viele  Waldwege als Radwege ausgewiesen sind und diese rege von Radfahren genutzt werden. Die Buowaldstrasse selbst wird eher weniger von Radlern befahren. Sie dient bestenfalls als Zubringer zu den Waldwegen. Sie kann nicht als wichtige Verbindungsstrecke für Radfahrer in die Stadt gesehen werden, weil kein Mensch mit dem Fahrrad aus Alt – Sillenbuch in die Stadt fährt. Mit dem Auto aber sehr wohl, und dies nach einer Sperrung der Strasse - umständlich, zeitraubend und wenig umweltfreundlich, wenn man nur, wie schon vorgenannt, an den höheren Spritverbrauch und die damit verbundene Emission denkt.

Ein wichtiges Argument der Befürworter der Sperrung war auch, dass es sich bei dem Waldgebiet um die Buowaldstrasse um ein Naherholungsgebiet handelt, wo erholungssuchende Spaziergänger und Mütter mit Kinderwagen durch den Fahrzeugverkehr gefährdet würden. Zum Thema erholungssuchende Fußgänger und Mütter mit Kinderwagen muss gesagt werden, dass innerhalb der jetzt erlaubten Fahrzeiten für die Buowaldstrasse dort kaum Spaziergänger oder Mütter mit Kinderwagen anzutreffen sind. Der Hauptbetrieb der erholungssuchenden Spaziergänger und auch Radfahrer findet an den Wochenenden und Feiertagen statt, und an diesen Tagen ist die Buowaldstrasse ohnedies gesperrt.

Erholungssuchende, die wochentags während der Sperrzeiten auf der Buowaldstrasse unterwegs sind, werden durch Autofahrer, die sich nicht an die Sperrzeiten halten, kaum gefährdet, handelt es sich doch um ganz wenige Fahrzeuge, die die Sperrzeiten nicht einhalten ( pro Stunde max. 2-3 Autos ) und die übrigens vorsichtig fahren, sobald sie einen Fußgänger oder Radfahrer bemerken. Sie wissen ja, dass sie hier nicht fahren dürfen und wollen nicht provozieren. Im übrigen müsste man halt um zu vermeiden, dass in den Sperrzeiten dort Autos fahren, mit geeigneten Methoden kontrollieren (z. B. mit einer Fotoampel, die während der Sperrzeiten dort fahrende Autos registriert). Dies wäre wohl die sicherste Methode ein Befahren der Strasse außerhalb der Sperrzeiten zu verhindern.Die Aussage die Strasse ganz sperren zu  müssen, weil eine Kontrolle schwierig ist (auch dies wurde von den Befürwortern einer Sperrung vorgetragen), ist ebenfalls kein tragfähiges Argument. Viele Vorschriften dürften dann nicht erlassen werden, weil sie nicht ständig kontrolliert werden können. Dies gilt z.B. für nahezu alle Tempo-30-Zonen.

Zu sagen, dass es sich um eine gefährliche Strassenführung handle, weil sich an der Klinge eine scharfe Kurve befindet, ist ebenfalls ein unzutreffendes Argument. Strassenführungen dieser Art gibt es überall. Im übrigen wurde gerade der Belag zwischen Stelle und Klinge (Zugehörigkeit Stgt-Ost) vor einiger Zeit erneuert, was dort für einwandfreie Strassenverhältnisse sorgt. Es hat auch in den vielen Jahren der bisherigen vernünftigen Regelung keine Unfälle gegeben.

Dass der Verkehr bei einer Sperrung der Buowaldstrasse zukünftig durch die Friedingerstrasse, die Werre, ein Stückchen durch die  Rankestrasse und dann gebündelt durch die Kernenblickstrasse fliesen wird, kann als gesichert angenommen werden. Diese Strassen und ganz besonders die Kernenblickstrasse, sind heute schon stark verkehrsmäßig belastet. Bei einer kürzlich erfolgten Geschwindigkeitskontrolle in der Kernenblickstrasse wurde dies von den kontrollierenden Herren verwundert festgestellt. (Originalaussage: hier herrscht aber reger Verkehr und kaum einer hält sich an Tempo 30). Die Sperrung der Buowaldstrasse wird diese Situation noch verschärfen. Als vor kurzem die Buowaldstrasse wegen Aufräumungsarbeiten infolge Schneebruchs gesperrt war, konnte sehr deutlich festgestellt werden, wie erheblich vermehrt der Verkehr durch diese Wohnstrassen fliest, was zu den geschilderten Problemen bei der Einmündung in die Kirchheimer Strasse und an der Ruhbankampel geführt hat. Wenn jetzt von der Stadt bekannt gegeben wird, dass es sich um 146 Fahrzeuge handeln kann, die derzeit die Buowaldstrasse jeweils in eine Richtung befahren, so kann nicht behauptet werden, dass dies keine bedeutende zusätzliche Belastung für die Wohnstrassen sein wird, durch die der Verkehr dann fliesen wird. Die in dem Beschlussantrag angebene Fahrzeugzahl von unter 60 Fahrzeugen ist deshalb irreführend, wird doch hier verschwiegen, dass auch 146 Fahrzeuge gezählt wurden.

Mit Verwunderung wurde auch aufgenommen, dass das Votum des Bezirksbeirats Sillenbuch (8 : 4 Stimmen gegen die Sperrung) keine Beachtung fand. Die genannte Abstimmung des Bezirkbeirats Stuttgart - Ost (mit 8 : 5 Stimmen für die Sperrung) muss differenziert gesehen werden. Zunächst betrifft die Ostler das Geschehen um die Buowaldstrasse kaum, weil niemand aus diesem Stadtbezirk diese Strasse benutzt, weder als Autofahrer noch als Fußgänger. Auch weiß man, dass man in Stuttgart – Ost sich nicht mit dem Thema befasst hätte, so die Aussage des Bezirksvorstehers Körner, wäre nicht auf Antrag der SPD Gemeinderatsfraktion das Thema wieder aufgenommen worden. Ein für nahezu alle Betroffenen unverständliches Vorgehen. Mit der bisherigen Regelung waren alle zufrieden.

Fazit:

Die Sperrung der Buowaldstrasse hat politischen Hintergrund, so eine Stimme aus dem Büro von Bürgermeister Schairer, wie einem Bericht der Stuttgarter Zeitung zu entnehmen ist. Sachliche und vernünftige Argumente werden dabei übergangen. Die Sperrung der Buowaldstrasse wirkt sich zum Nachteil vieler Bewohner der anliegenden Wohngebiete aus, die jetzt mit erhöhtem Verkehrsaufkommen leben müssen, verbunden mit höherer Lärmbelastung und verstärkten Emissionen, was ganz klar eine Minderung der Lebensqualität bedeutet.

Die Bewohner von Alt – Sillenbuch müssen zukünftig eine längere Fahrstrecke in Kauf nehmen, höheren Spritverbrauch akzeptieren und bedeutend mehr Zeitaufwand betreiben.

Dagegen hätte die Beibehaltung der bisherigen Regelung für viele einen Vorteil gebracht und niemanden, nicht den Menschen und nicht der Natur, geschadet.Durch den Fahrzeugverkehr entstehendes CO2 wird im Wald zwischen den Bäumen um Klassen besser abgebaut als in Wohngebieten.

J.H.                                                                Sillenbuch, Dezember 2012

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Letztes Update:
15-12-2019